Digitale Medien: Feinmotorik und soziale Ungleichheit

Der Umgang mit digitalen Medien ist als Kompetenz aus der Schul- und Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Das Center dieser Welt bildet die Arbeit am PC, doch auch das Smartphone ist inzwischen kein einziges Unterhaltungsmedium mehr. Nicht nur durch regelmäßige Berufstelefonate, sondern auch durch das Ausrichten und Beantworten von E-Mails bzw. anderer beruflich angelegter Messenger-Systeme ist es keine Seltenheit mehr, dass Berufstätige zwei Smartphones besitzen; eines für beruflichen und eines für privaten Gebrauch. Aus diesem Grund ist es unserer Meinung nach sinnvoll zu erforschen, welche kognitiven Fähigkeiten nötig sind, um den Umgang mit PC und Smartphone zu ermöglichen beziehungsweise zu vereinfachen. Im Rahmen unserer Forschungsarbeit wollen wir uns dabei ausschließlich mit den rein feinmotorischen Fähigkeiten auseinandersetzen, genau genommen den Tippfähigkeiten. Diese sind für die Bedienung besagter Medien essenziell und werden oft schon in einem jungen Alter erlernt.

In einer groß angelegten Studie der ETH Zürich hat sich angedeutet, dass Jugendliche an der herkömmlichen Tastatur langsamer und am Smartphone schneller werden. Unsere essenziellen Beobachtungen sprechen diesem Ergebnis zu: Während in der besagten Studie von 2019 die Teilnehmer*innen noch durchschnittlich schneller am PC/Laptop waren, sind bei uns alle vier Teilnehmer*innen tendenziell schneller am Smartphone. Mit unserer qualitativen Studie haben wir außerdem probiert Verbindungen zwischen den Tippgeschwindigkeiten  und den Einkommensschichten, sowie den Hobbies unserer vier Teilnehmer*innen herzustellen.

Während die Analyse von Teilnehmer*in Zwei, Drei und Vier andeutet, dass es einen Zusammenhang zwischen der finanziellen Schicht der Eltern und der Menge der Mediennutzung gibt, widerspricht Teilnehmer*in Eins unseren Annahmen und wirft dabei neue Fragen auf. Obwohl er/sie als letztes Zugang zu besagten Medien hatte, hatte er/sie die schnellsten Zeiten. Gibt es daher auch andere Faktoren, wie z. B. vergleichbare feinmotorische Fähigkeiten, wie das von Teilnehmer*in Eins angegebene Spielen einer Gitarre, dessen Auswirkungen auf die Tippgeschwindigkeiten es zu erforschen gilt?

Hauptbeobachtung war jedoch, dass die Tippgeschwindigkeiten mit der Zeit zu korrelieren scheint, die Jugendliche täglich an dem PC oder Smartphone verbringen.

Josie Haak und Jonathan Pietsch