Beeinflusst Handy & Co. das Mobbingpotential von Schülerinnen und Schülern?

Das Handy, der Computer und die verschiedenen sozialen Netzwerke sind für viele Jugendliche und Erwachsene nicht mehr wegzudenken. Laut der JIM-Studie 2018 wird 98% der Deutschen Haushalte ein Internetzugang zugeschrieben (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest (2018). JIM- Studie 2018. Jugend, Information, Medien). Der Konsum steigt stetig und die meisten Menschen besitzen mindestens ein digitales Medium, ob Radio, Fernseher oder Computer. Für viele bieten diese digitalen Medien die Möglichkeit von Kommunikation, Unterstützung bei der Arbeit, oder gar der Langeweile zu entfliehen. Doch gibt es auch Schattenseiten, wie das Cybermobbing. Das Mobbing verheerende Auswirkungen hat, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Dass Cybermobbing das traditionelle Mobbing vereinfacht und die Mobbingzahlen dadurch steigen, ist vielen noch nicht bewusst. Gibt es eine Verbindung zwischen der voranschreitenden Digitalisierung und dem Mobbingpotential von Schülerinnen und Schülern? 

Zu diesem Thema habe ich im Rahmen dieses Seminars eine kleine Forschungsarbeit durchgeführt. Dazu befragte ich zwei Personen. Eine 16-Jährige Schülerin und einen 22-jährigen ehemaligen Schüler. Beide sammelten bereits Erfahrungen mit dem Thema Cybermobbing. Hier habe ich die zwei gegensätzlichen Blickwinkel, Täter und Opfer, untersucht.

Zusammenfassend, sehen beide die Anonymität im Internet als großen Faktor, welcher viele dazu veranlassen könnte, Täter von Cybermobbing zu werden. Beide Parteien sind sich sicher, dass ohne das Internet, beziehungsweise den Zugriff auf soziale Netzwerke, das Mobbing nicht in so einem großen Rahmen stattgefunden hätte. Aber durch die schnelle Verbreitung und die Anonymität, führt es dazu, dass sich auch andere Menschen anschließen. Es ist einfacher geworden den Ärger über einen Klassenkamerad mit ins Wohnzimmer zu nehmen. Zu Hause könnte man über die Streitereien in der Schule nachdenken und versuchen, in Ruhe eine Lösung zu finden. Jedoch ist es durch das Internet vereinfacht worden, an diesen Ärger anzuknüpfen und diesen dort auszuleben.

Ich dachte, ich muss ja nicht mein Gesicht zeigen und mich ihr gegenüberstellen, wenn ich das ganz einfach übers Internet machen kann.“ 

Zudem zeigt sich in dem Interview mit der 16-Jährigen Schülerin, dass sie zuerst Opfer von Mobbing in der Schule war und dann aus Angst ihrer Mobberin gegenüber auf das Internet zurückgegriffen hat und so selbst zur Täterin von Cybermobbing wurde. Im Internet hat sie laut ihrer Aussage die Möglichkeit gefunden, ihre Mobberin zu konfrontieren, ohne ihr Gesicht zu zeigen. So brachte sie das Cybermobbing gegenüber einer ihrer Mitschülerinnen ins Rollen.  „Irgendwie habe ich mich so ein bisschen mächtiger gefühlt.“ 

Dieses Anonyme war extrem schlimm für mich.“ 

Laut des 22-Jährigen ehemaligen Schülers, war für ihn das anonyme Auftreten seiner Mobber im Internet, besonders schlimm. Er konnte nicht nachvollziehen wer an dem Mobbing beteiligt war und hatte so zudem keine Möglichkeit gegen das Mobbing vorzugehen. 

Zudem kam in den Interviews heraus, dass die Befragten keinen richtigen Computerunterricht hatten, beziehungsweise die Mediensozialisation in der Schule nicht Thema war. Dies trifft auch auf die repräsentative Befragung von Bofinger in 2007 zu, welcher alle Schularten in Bayern befragte. Dort stellte man fest, dass nur 7% der Lehrkräfte das Thema Medien im Unterricht behandeln. Hier liegt vor allem das Problem dabei, dass die Lehrkräfte eine mangelnde medienpädagogische Ausbildung haben. (vgl. Spanhel, D. (2010). Mediensozialisation in der Schule. In: Ralf Vollbrecht; Claudia Wegener (Hrsg./Ed.[s.]), Handbuch Mediensozialisation (S. 208-217). Weisbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.)

Cybermobbing ist meiner Meinung nach nur ein Baby von dem Oberpunkt Mobbing.“ 

Die 16-Jährige Schülerin nannte den entscheidenden Punkt – Cybermobbing ist ein Unterpunkt von Mobbing. Es sollten mehr Präventionsmaßnahmen, was Mobbing betrifft, erfolgen und vor allem sollte der Umgang mit den digitalen Medien von Lehrkräften und Eltern gelehrt werden. Denn durch das hohe Maß an der Nutzung von digitalen Medien und der gleichzeitig fehlenden Mediensozialisation, wird die Gefahr des Internets unterschätzt. Die digitalen Medien können durch gewisse Faktoren das Mobbingpotential beeinflussen, beziehungsweise begünstigen, es muss aber nicht zwingend darauf hinauslaufen. Jedes Individuum hat seine Entscheidungen selbst in der Hand.

Beitrag von Alea Apro

Quellen:

  • Spanhel, D. (2010). Mediensozialisation in der Schule. In: Ralf Vollbrecht; Claudia Wegener (Hrsg./Ed.[s.]), Handbuch Mediensozialisation (S. 208-217). Weisbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest (2018). JIM-Studie 2018. Jugend, Information, Medien. Verfügbar unter: https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2018/Studie/JIM2018_Gesamt. pdf