Beeinflusst Handy & Co. das Mobbingpotential von Schülerinnen und Schülern?

Das Handy, der Computer und die verschiedenen sozialen Netzwerke sind für viele Jugendliche und Erwachsene nicht mehr wegzudenken. Laut der JIM-Studie 2018 wird 98% der Deutschen Haushalte ein Internetzugang zugeschrieben (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest (2018). JIM- Studie 2018. Jugend, Information, Medien). Der Konsum steigt stetig und die meisten Menschen besitzen mindestens ein digitales Medium, ob Radio, Fernseher oder Computer. Für viele bieten diese digitalen Medien die Möglichkeit von Kommunikation, Unterstützung bei der Arbeit, oder gar der Langeweile zu entfliehen. Doch gibt es auch Schattenseiten, wie das Cybermobbing. Das Mobbing verheerende Auswirkungen hat, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Dass Cybermobbing das traditionelle Mobbing vereinfacht und die Mobbingzahlen dadurch steigen, ist vielen noch nicht bewusst. Gibt es eine Verbindung zwischen der voranschreitenden Digitalisierung und dem Mobbingpotential von Schülerinnen und Schülern? 

Zu diesem Thema habe ich im Rahmen dieses Seminars eine kleine Forschungsarbeit durchgeführt. Dazu befragte ich zwei Personen. Eine 16-Jährige Schülerin und einen 22-jährigen ehemaligen Schüler. Beide sammelten bereits Erfahrungen mit dem Thema Cybermobbing. Hier habe ich die zwei gegensätzlichen Blickwinkel, Täter und Opfer, untersucht.

Zusammenfassend, sehen beide die Anonymität im Internet als großen Faktor, welcher viele dazu veranlassen könnte, Täter von Cybermobbing zu werden. Beide Parteien sind sich sicher, dass ohne das Internet, beziehungsweise den Zugriff auf soziale Netzwerke, das Mobbing nicht in so einem großen Rahmen stattgefunden hätte. Aber durch die schnelle Verbreitung und die Anonymität, führt es dazu, dass sich auch andere Menschen anschließen. Es ist einfacher geworden den Ärger über einen Klassenkamerad mit ins Wohnzimmer zu nehmen. Zu Hause könnte man über die Streitereien in der Schule nachdenken und versuchen, in Ruhe eine Lösung zu finden. Jedoch ist es durch das Internet vereinfacht worden, an diesen Ärger anzuknüpfen und diesen dort auszuleben.

Ich dachte, ich muss ja nicht mein Gesicht zeigen und mich ihr gegenüberstellen, wenn ich das ganz einfach übers Internet machen kann.“ 

Zudem zeigt sich in dem Interview mit der 16-Jährigen Schülerin, dass sie zuerst Opfer von Mobbing in der Schule war und dann aus Angst ihrer Mobberin gegenüber auf das Internet zurückgegriffen hat und so selbst zur Täterin von Cybermobbing wurde. Im Internet hat sie laut ihrer Aussage die Möglichkeit gefunden, ihre Mobberin zu konfrontieren, ohne ihr Gesicht zu zeigen. So brachte sie das Cybermobbing gegenüber einer ihrer Mitschülerinnen ins Rollen.  „Irgendwie habe ich mich so ein bisschen mächtiger gefühlt.“ 

Dieses Anonyme war extrem schlimm für mich.“ 

Laut des 22-Jährigen ehemaligen Schülers, war für ihn das anonyme Auftreten seiner Mobber im Internet, besonders schlimm. Er konnte nicht nachvollziehen wer an dem Mobbing beteiligt war und hatte so zudem keine Möglichkeit gegen das Mobbing vorzugehen. 

Zudem kam in den Interviews heraus, dass die Befragten keinen richtigen Computerunterricht hatten, beziehungsweise die Mediensozialisation in der Schule nicht Thema war. Dies trifft auch auf die repräsentative Befragung von Bofinger in 2007 zu, welcher alle Schularten in Bayern befragte. Dort stellte man fest, dass nur 7% der Lehrkräfte das Thema Medien im Unterricht behandeln. Hier liegt vor allem das Problem dabei, dass die Lehrkräfte eine mangelnde medienpädagogische Ausbildung haben. (vgl. Spanhel, D. (2010). Mediensozialisation in der Schule. In: Ralf Vollbrecht; Claudia Wegener (Hrsg./Ed.[s.]), Handbuch Mediensozialisation (S. 208-217). Weisbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.)

Cybermobbing ist meiner Meinung nach nur ein Baby von dem Oberpunkt Mobbing.“ 

Die 16-Jährige Schülerin nannte den entscheidenden Punkt – Cybermobbing ist ein Unterpunkt von Mobbing. Es sollten mehr Präventionsmaßnahmen, was Mobbing betrifft, erfolgen und vor allem sollte der Umgang mit den digitalen Medien von Lehrkräften und Eltern gelehrt werden. Denn durch das hohe Maß an der Nutzung von digitalen Medien und der gleichzeitig fehlenden Mediensozialisation, wird die Gefahr des Internets unterschätzt. Die digitalen Medien können durch gewisse Faktoren das Mobbingpotential beeinflussen, beziehungsweise begünstigen, es muss aber nicht zwingend darauf hinauslaufen. Jedes Individuum hat seine Entscheidungen selbst in der Hand.

Beitrag von Alea Apro

Quellen:

  • Spanhel, D. (2010). Mediensozialisation in der Schule. In: Ralf Vollbrecht; Claudia Wegener (Hrsg./Ed.[s.]), Handbuch Mediensozialisation (S. 208-217). Weisbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest (2018). JIM-Studie 2018. Jugend, Information, Medien. Verfügbar unter: https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2018/Studie/JIM2018_Gesamt. pdf

Die allgemeine Meinung zu digitalen Medien im Unterricht

Im Rahmen dieses Seminars mussten wir eine kleine Forschungsarbeit erstellen. Wir haben uns dazu entschieden, ein wenig von bloßen Theorien Abstand zu nehmen und verschiedene Personen nach ihrer Meinung zu digitalen Medien zu befragen. Die Fragestellung der Arbeit lautete, welchen Stellenwert digitale Medien im Unterricht laut der allgemeinen Meinung einnehmen sollten. Die erarbeiteten Ergebnisse unserer Forschung werden wir im Laufe dieses Beitrags darlegen.

Im Laufe der Befragung wurden verschiedene Vor- und Nachteile bezüglich digitaler Medien im Unterricht genannt. Die Tatsache, dass dabei keine der beiden Seiten eindeutig überwiegt, verdeutlicht die Meinung, dass die Einbindung digitaler Medien in den Unterricht zwar durchaus erwünscht ist, aber immer kontrolliert und im einem angemessenen Umfang vollzogen werden sollte. Die von uns formulierte These, dass digitale Medien zwar als Zusatz, aber nicht als Ersatz anzusehen sind, spiegelt die allgemeine Meinung also sehr gut wieder.

Auswertung der dritten Interviewfrage
Auswertung der vierten Interviewfrage

Ein weiteres Ergebnis unserer Forschungsarbeit bezieht sich auf Schulungs- und Fortbildungsmöglichkeiten zu digitalen Medien. Die eindeutige Mehrheit der Befragten war der Meinung, dass viele Lehrer nicht wissen, wie sie digitale Medien richtig verwenden und in den Unterricht integrieren sollen. Um eine sinnvolle Einbindung der Medien zu gewährleisten, wäre es also von großer Wichtigkeit, Schulungen in diesen Bereichen anzubieten. Ebenfalls zeigte die allgemeine Meinung, dass Kinder und Jugendliche innerhalb des Unterrichts besser mit dem Umgang mit digitalen Medien vertraut gemacht werden sollen, um beispielsweise mögliche Gefahrenquellen aufzuzeigen und zu minimieren. Die „Forderung“ nach diesen expliziten Schulungen für Lehrer und Schüler zeigt zusätzlich zu einigen direkten Aussagen in den Interviews, dass allgemein angenommen wird, dass digitale Medien auch in langfristiger Zukunft ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft sein werden.

Auswertung der siebten Interviewfrage
Auswertung der achten Interviewfrage

Die anfängliche Fragestellung unserer Forschungsarbeit konnte also durchaus beantwortet werden. Noch einmal zusammengefasst: Die Meinung der Allgemeinheit besteht also darin, dass digitale Medien in einem vernünftigen Rahmen in den Unterricht eingebunden werden sollten. Dies sollte allerdings nur geschehen, wenn auf Seiten der Lehrkräfte die nötigen Kompetenzen vorhanden sind, wozu geeignete Schulungsangebote führen sollen. Außerdem sollen digitale Medien laut Meinung der Befragten Personen nicht einfach nur in den herkömmlichen Unterricht eingebunden werden, sondern der professionelle und verantwortungsbewusste Umgang mit ihnen soll in Form von Unterrichtseinheiten geschult werden.

von Anna Randerath und Janik Nowak

Smartphone Führerschein

Quelle: https://www.flickr.com/photos/128635328@N05/16993528795

Zum Thema Smartphone Führerschein führte ich im Rahmen dieses Seminars eine kleine Forschungsarbeit aus. In der Arbeit untersuchte ich die Frage, welche Bedeutung ein Smartphone Führerschein an Schulen für Schüler_Innen haben könnte. Dazu führte ich zwei Interviews, eines mit einer Schülerin der 10 Klasse, das andere mit einer Lehrerin. Die Auswertung macht deutlich, dass das Thema digitale Kompetenzen bei beiden Interviewpartnerinnen als ein für Schüler_Innen wichtiges Thema erachtet wurde. Die starke Verbreitung der Smartphones wurde dabei nicht nur positiv, sondern auch kritisch gesehen, da der Nutzen der Smartphones ohne entsprechende digitale Kompetenzen verschiedene Gefahren mit sich bringen kann. Diese bestünden in Cybermobbing, Ablenkung, Gefährdung des Jugendschutzes und sozialem Druck (z. B. sozialer Ausschluss, wenn Schüler_Innen kein eigenes Gerät besitzen). Beide Interviewpartnerinnen sahen diese Gefahren als bedeutsam bei der Nutzung von Smartphones an. Aus diesem Grund könnte es wichtig sein, den Schüler_Innen digitale Kompetenzen beizubringen, die sie präventiv vor den Gefahren schützen können. Diese Funktionen der Prävention könnte ein Smartphone-Führerschein erfüllen, wenn er die Kompetenzen der KMK beinhaltet. Die Interviewpartnerinnen sahen auch den positiven, also produktiven Nutzen bei der Verwendung des Smartphones, sofern die entsprechenden digitalen Kompetenzen gegeben sind, die die Gefahren minimieren können. Das wäre jedoch erst ab einem gewissen Alter, wenn die Schüler_Innen die siebte, oder achte Klassen besuchen, möglich. Der Entwicklungsstand der Schüler_Innen ermögliche erst dann den verantwortungsvollen Umgang mit dem Smartphone.

Diese Ergebnisse können zu ersten Schlussfolgerungen und Hypothesen führen, weshalb ein Smartphone-Führerschein an Schulen sinnvoll sein könnte und welche möglichen Schwächen zu beachten wären. Die Hypothesen könnten als Grundlage für weitere Forschungsarbeiten dienen. Der Einsatz eines Smartphone Führerscheins an Schulen könnte in unteren Klassen, besonders der Grundschule, vor allem zur Vermittlung von präventiven -, Gefahren abwehrenden Kompetenzen – sinnvoll sein. In höheren Klassen könnte sich ein Smartphone-Führerschein vermehrt den produktiven, Inhalten generierenden und organisatorischen Kompetenzen, zuwenden. Dazu sollten Smartphones in unteren Klassen in der Schule zur Vermittlung digitaler Kompetenzen wahrscheinlich noch nicht verwendet werden. Bei einem Smartphone-Führerschein sollte der Umgang der Schüler_Innen mit diesen Geräten von den Lehrer_Innen überwacht werden können. Das ist mit Laptops und Tablets einfacher. Es stellt sich also die Frage, ob hier nicht auch ein Laptop-Führerschein bessere Erfolge, unter leichter zu kontrollierenden Bedingungen, für die Vermittlung von digitalen Kompetenzen bringen könnte.

In höheren Klassen könnten Smartphones zwar auch zur Vermittlung von produzierenden, digitalen Kompetenzen verwendet werden, allerdings sei auch hier darauf zu achten, dass die Überprüfbarkeit des Nutzungsverhaltens der Schüler_Innen nur schwer möglich und denen von Laptops und Tablets unterlegen ist. Jedoch sind Smartphones unter Schüler_Innen verbreiteter als Laptop und Tablets. Daraus folgere ich die Hypothese, dass an einem Smartphone Führerschein an Schulen deutlich mehr Schüler_Innen teilnehmen könnten, ohne dass erst neue Laptops und Tablets gekauft werden müssten. Eine zweite von mir aufgestellte Hypothese ist, dass ein Smartphone Führerschein an Schulen sehr sinnvoll wäre, da digitale Kompetenzen für Schüler_Innen und ihre Lebenswelt sehr wichtig sind. Ein Smartphone Führerschein könnte einen positiven Effekt auf ihr Leben in dieser Lebenswelt haben. Eine weiterführende These wäre zuletzt, dass ein geeigneter Smartphone Führerschein an Schulen seine Zielkompetenzen vermehrt auf Themen wie Privatsphäre, Jugendschutz, Privatsphäre und soziale Netzwerke legen sollte, da diese bei Smartphones eine größere Rolle zu spielen scheinen. Weniger wichtig wären bei einem Smartphone Führerschein digitale Kompetenzen wie Suchen, Speichern, Produzieren und Präsentieren. Diese Kompetenzen könnten vermutlich sinnvoller im Zuge eines Computer-Führerscheins mit Laptops oder Tablets gelehrt werden.

Leonard Wehrmann, Erziehungswissenschaften.

Digitale Medien in der Schule

Digitale Medien sind heutzutage bei vielen Menschen Teil des Alltags. Ob das Smartphone zum Musik hören, Zeitung lesen auf dem Tablet oder der Computer am Arbeitsplatz: Ein Leben ohne diese Geräte ist für die meisten Menschen kaum noch vorstellbar. Jedes Jahr kommen neue Produkte auf den Markt und die Funktionen nehmen zu. Statt Briefen werden Mails geschrieben, Anrufe werden von Sprachnachrichten ersetzt und Arzttermine können auch online vereinbart werden.

Auch in sämtlichen Schulen sind die digitalen Medien längst angekommen. Immer mehr Lehrkräfte setzen sie gezielt ein und bieten den Schüler_innen  somit eine abwechslungsreiche Auswahl an Methoden. Einige Schulen bieten sogenannte Tablet-Klassen an. Die Schüler_innen dieser Klassen verwenden statt Büchern und Arbeitsheften fast ausschließlich ein Tablet.

Klar ist: Digitale Medien können das Leben eines Menschen deutlich erleichtern und unterstützen. Jedoch ist es wichtig, auch die negativen Seiten zu sehen. Durch die immer mehr werdende Nutzung, kommen auch Kinder früher in Kontakt mit ihnen. Es kann eine Abhängigkeit entstehen. Das Internet birgt viele Gefahren mit sich, welchen Kindern ausgesetzt sind, ohne dass sie es bemerken.

Die Beziehung zwischen Schule und digitalen Medien ist strittig. Es gibt verschiedene Meinungen, wie stark digitale Medien in der Schule vertreten sein sollten und welche konkreten Aspekte Institution Schule behandeln sollte.

Aufgrund der immer bedeutenden Rolle von digitalen Medien in der heutigen Gesellschaft, wurde mit meiner Forschungsarbeit die Frage, in wie weit die digitalen Medien in Schulen vertreten sein sollten, behandelt. Um die Frage beantworten zu können wurden jeweils 40 Lehrkräfte, SuS sowie Eltern anhand eines Fragebogens befragt.

Alle Befragten besitzen digitale Geräte und verwenden diese täglich. Vor einigen Jahrzehnten wäre das sicher anders gewesen. Auch der Fakt das 100% der SuS in siebten Klassen ein Smartphone besitzen, verdeutlicht, dass Kinder immer früher in Kontakt mit Handy und Co. geraten.

Schaut man einzelne Möglichkeiten der Gestaltung von Medienunterricht an, so legen die Lehrkräfte und Eltern besonderen Wert auf die Thematisierung von Gefahren der digitalen Medien. Nur 55% der SuS finden es ebenfalls wichtig, diese zu behandeln. Dieses Ergebnis lässt sich möglicherweise auf das Alter der Befragten zurückführen. Die SuS sind im siebten Jahrgang und somit ungefähr 12-13 Jahre alt. Es ist gut möglich, dass sie in diesem Alter noch nicht einschätzen können, welche Gefahren speziell im Internet auf sie warten können. Aber gerade aus diesem Grund, ist es wichtig Sie aufzuklären, ihnen einen sicheren Umgang zu zeigen und auch deutlich zu machen, was nicht erlaubt ist.

Das Thema Mobbing hingegen empfinden alle Befragten als wichtig. Viele SuS erleben Mobbing tagtäglich in ihrem Schulalltag, wenn auch nur als Beobachter. Dieses Forschungsergebnis zeigt jedoch, dass Lehrkräfte, SuS und auch Eltern sich bewusst sind, dass an diesem Punkt Aufklärung nötig ist.

Insgesamt lässt sich deutlich erkennen, dass die Eltern gerne eigene Entscheidungen treffen möchten. Während die Lehrkräfte alle für verpflichtenden Medienunterricht sind, möchten die Eltern diesen nur auf freiwilliger Basis angeboten bekommen.

Die Ergebnisse haben deutlich gezeigt, dass die Institution Schule definitiv mehr über digitale Medien aufklären sollte. Auf Seiten der SuS ist ein großes Interesse da, mehr über diese Thematik zu lernen. Auch Eltern und Lehrkräfte empfinden es als sehr wichtig, wünschen sich jedoch auch gewisse Flexibilität in der Gestaltung des Unterrichts.

Im Rahmen dieser Forschung wurden insgesamt 120 Menschen befragt. Diese stellen nur einen kleinen Teil der Betroffenen dar, geben jedoch einen guten Einblick in die Meinung und allgemeine Einstellung zu digitalen Medien.

Zukünftig ist es mit Sicherheit spannend zu verfolgen, wie die tatsächliche Umsetzung in Schulen ausschaut. Welche pädagogischen Ansätze werden genutzt und wird es ein einheitliches Konzept in Deutschland geben?

Insgesamt ist und bleibt es ein aktuelles Thema in der Schulbildung und es kann gespannt beobachtet werden, wie der Prozess verläuft.

Ein Beitrag von: Leonie Weber

Netiquette an Schulen – Wenn gutes Benehmen zum Luxus wird

Quelle: www.flickr.com

Netiquette – was soll das bitteschön sein? Ein weiteres dieser ach so hippen Jugendwörter? Nicht ganz, denn eigentlich entstammt der Begriff dem letzten Jahrhundert. Zusammengesetzt aus „Net“ für Internet und „Etiquette“ beschreibt er höfliche Umgangsformen, wie sie online üblich sind. Dabei liegt der Fokus auf den Eigenheiten des Internets, wie das Aufeinandertreffen von Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen sowie die technischen Gegebenheiten, die Spammen und das Verletzen der Privatsphäre anderer Leute ermöglichen. Auch wenn es kein einheitliches Regelwerk gibt, sind viele Empfehlungen weitestgehend akzeptiert. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass die Netiquette insbesondere von jungen, unerfahrenen Nutzern missachtet wird.

„Wir hatten in der achten Klasse den Vorfall, dass eine sogenannte Loserliste erstellt wurde, mit allen Namen von verschiedenen Klassen unseres Jahrganges, die als uncool abgestempelt wurden, also als Loser abgestempelt wurden, und dort wurden dann zum Teil auch Kommentare dahinter geschrieben wie fett oder Jude oder hässlich, also ganz ekelhafte Kommentare […].“

Dies ist nur einer der Fälle, der mir bei den Interviews, die ich für meine kleine Forschungsarbeit führte, geschildert wurde. Cybermobbing ist ein Thema an Schulen, seitdem das Internet fester Bestandteil unserer Gesellschaft ist. Und immer noch sind wir auf der Suche nach dem richtigen Weg, damit umzugehen. Besonders interessant ist hierbei, was die politischen Vorgaben sind, aber auch, wie diese von Schulen umgesetzt werden. Da in dem Bildungsauftrag des niedersächsischen Schulgesetzes (§2) keine Erwähnung des digitalen Lebensraums vorkommt, verbleibt der Blick auf die alltägliche Realität unseres Bildungssystems.

Für meine kleine Forschungsarbeit stellte ich mir deswegen die Frage, inwieweit die Einführung in die Netiquette als Verantwortung der Schulen wahrgenommen wird. Dafür wurden drei verschiedene Personen, die auf unterschiedliche Weise mit dem Bildungssystem in Verbindung stehen, befragt. Jede dieser Personen kam aus einem anderen Kontext und hatte einen individuellen Blickpunkt als auch unterschiedliche gesammelte Erfahrungen mit dem Thema.

Der Schüler eines Gymnasiums berichtete von pädagogischer Interaktion auf der Online-Plattform seiner Schule und der Aufforderung seitens der Lehrer, sich auch außerhalb dessen im Internet gut zu benehmen. Er hielt diese Maßnahmen für angemessen und war der Meinung, dass eine Intensivierung dieser durch beispielsweise Kurse zum Thema Netiquette keinen Effekt erzielen würde. Eine Sozialpädagogikstudentin berichtete von einem Workshop während ihrer eigenen Schulzeit, der unter anderem gute Umgangsformen online vermitteln sollte, als auch von der Thematisierung von Verstößen gegen die Netiquette seitens der Lehrer im Rahmen eines solchen Vorfalls an ihrer ehemaligen Schule. Sie empfand diese Maßnahmen ebenfalls als angemessen, wünschte sich für die Zukunft aber auch mehr Raum für die Kommunikation über Netiquette an Schulen. Der Lehrer einer Oberschule erzählte von einigen Vorfällen, bei denen sich Schüler*innen mit ihrem Verhalten online strafbar gemacht hatten und der Eingriff seitens der Schule und Polizei erforderlich war. Weitergehend erklärte er, dass an seiner Schule die Vermittlung von Netiquette im unterrichtlichen Kontext nicht vorgesehen sei. Es herrsche ein Handyverbot, dass dem Missbrauch entgegenwirken solle. Zwar sah er die Abwesenheit von anderen Maßnahmen als Defizit an, war aber auch der Meinung, dass Internet- und Handynutzung für Schüler*innen unter 16 Jahren nicht altersgerecht sei und man, um eine Veränderung in deren Verhalten zu erzielen, schon sehr viel investieren müsse.

Die großen Unterschiede zwischen dem Umgang mit der Verantwortung gegenüber dem Ausbilden eines Sinns für Netiquette bei Schüler*innen führen zu der Erkenntnis, dass das Ausbleiben einer Nennung ebendieser im Bildungsauftrag die Schulen in dieser Hinsicht aus der Pflicht nimmt. Es bleibt ihnen selbst überlassen, ob sie sich dem Thema annehmen oder es aus ihrem Bildungsplan streichen. Dabei gibt es gute Gründe für eine Einbindung der Netiquette als Bildungsinhalt in unserer digitalisierten Welt. Die Forschung zeigt, dass sie beim Online-Learning von elementarer Bedeutung ist (Conrad 2002). Sie trägt zu einer guten Gemeinschaft bei, was sich wiederum positiv auf den Erfolg der Zusammenarbeit auswirkt. Des Weiteren wird die Bedeutung eines Mentors, im Falle der Schule die Rolle der Lehrkraft, für den Aufbau und Erhalt einer Netiquette betont (Preece 2004). Auch in den Interviews wurden mehrere Gründe genannt, weshalb Netiquette heutzutage so wichtig ist, angefangen bei der Bedeutung des professionellen Auftretens und des Respekts vor den Mitmenschen bis hin zu der Vernachlässigung guter Umgangsformen aufgrund der Anonymität im Netz und der Gefahr des Missbrauchs. Dass sie trotzdem an vielen Schulen nicht im Lehrplan inbegriffen ist, sollte Anreiz geben, eine Erwähnung der Netiquette im Bildungsauftrag der Schulen zu erwägen. Immerhin ist es Aufgabe der Schulen, die Schüler*innen darauf vorzubereiten, selbstbestimmte Mitglieder unserer Gesellschaft zu sein. Es ist wichtig, klar zu definieren, dass dazu zählt, nicht nur im direkten Umgang, sondern auch online angemessene Verhaltensformen zu kennen und zu befolgen. Diese Interpretation den Schulen selbst zu überlassen, resultiert sonst in einer inkonsequenten Ausführung entsprechend des unterschiedlichen Verständnisses des schulischen Beitrags zur digitalen Bildung und Erziehung.

Beitrag von Hedda Herrmann

Quellen:

Foto: https://www.flickr.com/photos/117242309@N03/12912757604/in/photolist-kF4fXN-fq2UHF-nVPuux-a4dNVX-kjDM74-bZ4E4A-2Yu7f7-gRWYWN-nRBXBU-mRab4t-22PkyUA-ABFrAG-2acZFiW-qZUeMP-N9Uwg9-2fomsxU-vLwdwY-qf5yhR-AD5w9f-aBhjJo-N9Uvfm-DQf76p-e4CeGJ-79KBgG-4nVWos-dwQ8Jb-fiUnGn-dhCawm-r8hpbF-c3X6b1-8WiLYc-a8k6vD-dx3ceN-ee3ain-hS4bvZ-dwQ93h-dkTKuM-eaHjGd-ejTpRy-c929qf-nNe5v7-fazqxt-8sGmuQ-hsBkQU-nNMESW-o8Lkmc-kn82Ft-iiiF4K-dkTQ66-mpzT81

Dianne Conrad (2002). Inhibition, Integrity and Etiquette Among Online Learners: The Art of Niceness. Distance Education, Vol.23, S.197-212.

Preece, J. (2004). Etiquette Online: From Nice to Necessary. Communications of the ACM, Vol.47, S.56-61.

Niedersäschisches Schulgesetz (NSchG) in der Fassung vom 03.03.1998, zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 17.12.2019, Nicht amtliche Lesefassung.

VR-Medien im Unterricht

Während des technologischen Wandels stehen die Schulen mit der stetigen Weiterentwicklung von Unterrichtsmedien vor einer Herausforderung. Bisher haben die Virtual Reality (VR) Medien im Unterricht kaum einen Platz gefunden, jedoch sollte das didaktische Potenzial ausgiebig untersucht werden. Passt die virtuelle Realität in den realen Unterrichtskontext?

Dazu ist zunächst zu klären, was Virtual Reality bedeutet: „Virtual Reality ist eine mit dem Computer generierte synthetische dreidimensionale Welt, in der der Mensch über geeignete Schnittstellen agieren kann (Riedl, 2001)“.

Es können neben realen existierenden Welten auch künstlich geschaffene Welten sein, welche realitätsnahes Handeln und Erleben ermöglichen. Als Schnittstelle stehen Stereobrillen zur Verfügung welche beim Betrachter einen dreidimensionalen Eindruck der VR erzeugen. Im Vergleich zu den traditionellen künstlichen Medien (z.B.: Filme, Fotos) spielt bei VR das interaktive und mitgestalten der virtuellen Welt eine große Rolle.

https://www.flickr.com/photos/127309381@N02/16104225818/

Sollten mit diesen Stereobrillen in Zukunft unsere Klassenräume ausgestattet sein? Um diese Frage zu klären, habe ich Interviews mit einer Lehrkraft und einem Schüler geführt und werde diese qualitativ analysieren und mit dem aktuellen Forschungsstand vergleichen.

Nun möchte ich mit euch meine Ergebnisse teilen und ein Fazit ziehen. Ich würde mich sehr freuen wenn euch dieser Blogeintrag zu nachdenken anregt und ihr die Mediennutzung im Unterricht noch einmal überdenkt.

VR-Medien sind eine große Branche, welche in den nächsten Jahren voraussichtlich deutlich wachsen wird. Ob das Potenzial für Lernarragements ausgeschöpft wird, hängt davon ab inwieweit sich die VR-Anwendungen an Lernprozessen orientieren.

Junge Frau mit einer virtual reality Brille auf der re:publica 2015 am 05.05.2015 in Berlin. Copyright: re:publica/Jan Zappner

Jedoch gibt es in der beruflichen Ausbildung bereits einige Beispiele, neben der Anwendung in technischen Berufsfeldern, gibt auch schon Anwendungen in der Pflegebranche. Auch bei der Lehrerausbildung wurden schon Versuche unternommen die Handlungskompetenzen der Lehramtsstudierenden anhand eines VR-Klassenraums zu erheben und zu coachen (Wiepke und Paulicke, 2018). Daher sehe ich schon anhand des aktuellen Forschungsstands und die Bereitwilligkeit meiner Interviewpartner VR in den Unterricht miteinzubringen, Potenzial für VR-Medien in der schulischen Bildung. Die Motivation der SuS könnte durch das Erlebnis in einer andere Welt einzutauchen deutlich gesteigert werden. Dazu wird die räumliche Wahrnehmung verbessert und die Interaktion der SuS in Vordergrund gerückt. Natürlich finden die VR-Medien nicht in allen Fächern eine Anwendung, aber besonders in der Naturwissenschaftlichen-, sowie in den Gesellschaftlichen Fächern gibt es viele Möglichkeiten. Allerdings ist nicht klar zu sagen in welchem Zeitraum sich dieses Medium in der Bildung etablieren wird. Großen Einfluss nimmt darauf die finanzielle Investition in die digitale Bildung an deutschen Schulen. Durch die schnellen Weiterentwicklungen der Technologien ist jedoch schwer zu beantworten, durch welche Medien die Bildungs- und Lernprozesse in Zukunft unterstützt werden. Um die aktuelle Situation zu berücksichtigen, kann man sagen dass ein virtueller Klassenraum jetzt viele Möglichkeiten für die Schulen bieten kann. Darüber sollten die Politiker und die Schulen sich in Zukunft Gedanken machen. Passend ausgebildete Lehrkräfte spielen dabei natürlich eine große Rolle, denn ein digitales Bildungssystem funktioniert nur, wenn alle Beteiligten darauf vorbereitet sind.

Von Eileen Schwaneberg

Quellen:

Riedl, A. 2001. Virtual Reality – die zukünftige Realität der Geokommunikation? In: Buzin, R. & Wintges, T. (Hrsg.): Kartographie 2001- multidisziplinär und multidimensional (Beiträge zum 50. Deutschen Kartographentag), Heidelberg.

Wiebke, Axel und Paulicke, Prisca. 2018. Aufbau von Handlungswissen zum Umgang mit Unterrichtsstörungen im VR Klassenraum.

Fernsehen und frühe Sprachentwicklung

Technische Geräte wie der Fernseher scheinen für viele gestresste Eltern inzwischen als Abhilfe für die persönliche Beschäftigung mit dem eigenen Kind zu dienen. Doch Fernsehsendungen können je nach Konzipierung verschiedene „Wirkungen auf Kinder“ haben – sowohl gute als auch schlechte (Rohlfing, 2019: 315). Die positiven Effekte menschlicher Interaktion teilen Fernsehsendungen oft aufgrund ihrer für Kinder unpassenden „Struktur“ nicht (ebd.: 315-316). Gut durchdachten Fernsehprogrammen kann zumindest ein gewisser Teillerneffekt zugesprochen werden, jedoch können solche mit persönlicher Interaktion kaum mithalten, da mit dem TV-Gerät kein gegenseitiger Austausch stattfindet (ebd.: 316). Genauer betrachtet bringt diese Art der Beschäftigung dem Kind in den meisten Fällen nichts anderes, als es ruhig zu stellen und zu unterhalten. Eine Vielzahl an Studien bescheinigt dem Fernsehen sogar zahlreiche negative Folgen hinsichtlich verschiedener Aspekte der Kindesentwicklung.

Quelle: www.flickr.com

Im Gegensatz zu anderen Medien wie beispielsweise Büchern werden dem Fernsehen in Verbindung mit erfolgreicher Sprachentwicklung nur wenig positive Effekte zugesprochen (Rohlfing, 2019: 315). Lerneffekte lassen sich meist nur bei besonders gut konzipierten Sendungen erkennen, die großen Wert auf soziale Interaktion und die Wiederholung von Input legen (ebd.: 316). Doch solche, in denen der Moderator direkt zu den Kindern spricht, sind eher selten (ebd.). Gemeinsames Fernsehen und der gleichzeitige Austausch mit den Eltern („Co-Viewing“) kann allerdings durchaus einen positiven Effekt haben (ebd.: 317). Die meisten Sprachforscher gehen davon aus, dass Kinder von einer intensiven Fernsehnutzung wenig profitieren – vielmehr könnte sie sogar dumm machen (Butzkamm und Butzkamm, 1999: 313). So konnte „bei 80% derjenigen Einjährigen […], die täglich mehrere Stunden“ fernsahen, bereits eine Verzögerung hinsichtlich der Sprachentwicklung gemessen werden (ebd.). Die Qualität von Fernsehprogrammen kann die Entwicklung auf verschiedene Weisen beeinflussen, doch die tatsächliche Zeit, die Kinder vor dem Gerät verbringen scheint das eigentliche Problem zu sein (ebd.: 314). Diesbezüglich zeigt eine Studie der Sprachtherapeutin Sally Ward auf, dass ein Fünftel aller Vorschulkinder durch das Fernsehen, unabhängig vom Programm, beeinträchtigt wird (ebd.). Die permanente vom TV-Gerät erzeugte „Geräuschkulisse“ kann beispielsweise „Hör-, Sprach- und Konzentrationsprobleme“ verursachen (ebd.). Darüber hinaus können Kinder bestimmte Dinge wie aggressive Verhaltensweisen aus Fernsehprogrammen übernehmen (Krcmar, Grela & Lin, 2007: 43). Wie eine umfassende Untersuchung, an der mehr als „5000 [Migrantenkinder] in Florida und Kalifornien“ teilnahmen, zeigt, scheint übermäßiges Fernsehen auch ein Grund für schlechte Noten zu sein (Butzkamm & Butzkamm, 1999: 315). Zunächst hatten die meisten von ihnen bessere Noten als ihre einheimischen Mitschüler*innen, doch „je länger [sie] in [den USA] lebten, […] desto schlechter wurden“ ihre Noten – offensichtlich aufgrund eines erhöhten Fernsehkonsums (ebd.). Der Auslöser des übermäßigen Fernsehkonsums von Kindern sind meist „gestresste Eltern“ (ebd.: 317). Sie versuchen der Belastung durch ihre Kinder aus dem Weg zu gehen, indem sie sie vor das TV-Gerät setzen (ebd.). Doch gerade der verbale Austausch mit den Eltern ist wichtig für die frühe Sprachentwicklung. Was dem Fernsehen fehlt, ist der Mangel an Authentizität (ebd.: 315). Kinder profitieren gerade deswegen von der Interaktion mit anderen Menschen und dem direkten Erleben von Gegenständen, weil sie „Fragen stellen“ und daraus lernen können (ebd.). Laut der Sprachtherapeutin Sally Ward lassen sich Fehlentwicklungen durch nur dreißig Minuten täglicher Eltern-Kind-Interaktion vollständig beheben (ebd.: 315-316). Eltern sollten außerdem darauf achten, dass andere Aktivitäten nicht durch das Fernsehen vernachlässigt werden (ebd.: 314). In jedem Fall sollten Fernsehprogramme aber immer gemeinsam ausgewählt und auch hinsichtlich ihres Wertes und Sinns mit den Kindern besprochen werden (ebd.: 315). Darüber hinaus sind Eltern natürlich in der Pflicht eine Vorbildfunktion hinsichtlich des Umfangs ihres TV-Konsums und der bevorzugten Programme einzunehmen (ebd.). Man kann ja schlecht von seinem Kind verlangen nicht den ganzen Tag fernzusehen, wenn man selbst stundenlang vor der Glotze hängt.

Wie verschiedene wissenschaftliche Studien zeigten, hat eine intensive Fernsehnutzung bei Kindern in den meisten Fällen keinen positiven Einfluss auf den Spracherwerb. Vielmehr kann sie schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Entwicklung eines Kindes haben. Ein wesentliches Element beim Sprachenlernen ist die Interaktion zwischen Kindern und älteren Gesprächspartnern, da sich Sprache nur durch Kommunikation und gegenseitige Regulierung herausbilden kann. Eltern sollten den Prozess des Spracherwerbs ihrer Kinder also stets begleiten, indem sie ihre Entwicklung durch persönliche Interaktion unterstützen und die Nutzung von Fernsehprogrammen kontrollieren, auch wenn sich das in der heutigen Zeit der digitalen Medien und Streaming-Dienste manchmal schwierig gestalten kann. Das Fernsehprogramm kann, wie wissenschaftlich belegt wurde, den zwischenmenschlichen Austausch hinsichtlich positiver Effekte auf den Prozess der Sprachentwicklung definitiv nicht ersetzen.

Lucas Weidel, Lehramtsstudent im 1. Mastersemester

Quellen:

Butzkamm, W., & Butzkamm, J. (1999). Wie Kinder sprechen lernen: Kindliche Entwicklung und die Sprachlichkeit des Menschen. Tübingen: A. Francke Verlag Tübingen und Basel.

Krcmar, M., Grela, B., Lin, K. (2007). Can Toddlers Learn Vocabulary from Television? An Experimental Approach. Abgerufen 25. März 2020, von https://www.researchgate.net/publication/255659928_Can_Toddlers_Learn_Vocabulary_from_Television_An_Experimental_Approach/download

Rohlfing, K.J. (2019). Frühe Sprachentwicklung. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag.

Ausgewählte E-Learning-Plattformen im Vergleich

Die digitale Revolution bringt viele Veränderungen mit sich, die auch die Schule und den Unterricht betreffen. Das Internet bietet zahlreiche Webseiten, die Schülerinnen und Schülern das Lernen online ermöglichen und eine Alternative zur klassischen Nachhilfe darstellen. Hierbei gilt es zu beachten, inwiefern sich verschiedene Lernplattformen im Internet unterscheiden und wie effektiv diese sein können. In unserer Studie haben wir uns dafür zehn dieser Lernplattformen in Hinblick auf eigens erstellte Kriterien angeschaut und analysiert. Dabei haben wir ein Punktesystem erarbeitet, um die Effizienz unter den Seiten vergleichen zu können. Wir haben uns die Frage gestellt, ob kostenlose Lernplattformen in der Qualität vergleichbar mit kostenpflichtigen Varianten sind.

Die zehn Lernplattformen, die wir dabei untersucht haben, sind die folgenden:

Zunächst haben wir uns das Angebot angeschaut. Dies beinhaltet den Umfang und die Qualität des Angebotes auf der Lernplattform. Dieses Kriterium wird mit 50% der Gesamtbewertung gewichtet. Im Anschluss haben wir die Preise und Abonnementsmöglichkeiten verglichen und bewertet. Hier ging das Urteil zu einem Viertel in die Gesamtnote ein. Das letzte Kriterium in unserem Vergleich war der Komfort. Dabei haben wir die Bedienung auf Einfachheit, Übersichtlichkeit und Kindgerechtheit überprüft. Daraus ergaben sich die letzten 25% des Gesamtergebnisses.

Nachdem wir alle Plattformen getestet und analysiert haben, sind wir positiv überrascht wie qualitativ hochfertig die Lernplattformen sind und wie gut diese abgeschnitten haben. Die Endnoten variierten zwischen 1,6 und 2,7. Auffällig ist dabei, dass kostenfreie Webseiten guten Service bieten konnten und ebenfalls gute Noten im Test erhielten.  

Adar Tas & Mert Uysal

Medienerziehung bei Kleinkindern

Digitale Medien haben vor allem in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen und sind zum Dreh- und Angelpunkt der modernen Gesellschaft geworden. So gut wie jedes Individuum unserer Gesellschaft besitzt mindestens ein, in den meisten Fällen sogar gleich mehrere, technische Digitalgeräte, wie Fernseher, Mobiltelefone mit unzähligen Funktionsmöglichkeiten oder auch Computer, die dann auch anderen Personen einer Wohngemeinschaft zugänglich sind. Kleinkinder, die inmitten des Wandels der Gesellschaft durch digitale Neuerungen aufwachsen, sind oft von Einflüssen der Medienwelten viel betroffener, als viele Erwachsene annehmen mögen. Was Kindern und Jugendlichen fehlt, ist die Befangenheit im Umgang mit digitalen Medien. Der Grund dieser Haltung ist, dass digitale Medien für Kinder schon immer ein fester Bestandteil ihrer Lebenswelt gewesen sind. Kinder und Jugendliche hinterfragen in den seltensten Fällen, Medien bezüglich ihrer positiven oder negativen Wirkungen oder inwiefern sie nützlich oder schädlich sind, was die Bedeutsamkeit einer Erziehung, bei der auch auf Medien jeglicher Formen eingegangen werden, untermalt. Eines steht fest: Welche Risiken digitale Medien auch mit sich bringen mögen, es handelt sich hierbei dennoch um ein Kompetenzzuwachs bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, was uns die Digitalisierung grundlegend als Bereicherung verstehen lassen kann. Im Rahmen meines Forschungsfeldes sollte der Frage nachgegangen werden, ob sowas wie eine „Medienerziehung“ tatsächlich stattfindet. Mithilfe einer quantitativen Studie sollte dies bei 30 Probanden erforscht werden. Bei der ersten Frage des Fragebogens sollten die Probanden das Alter der erstmaligen Berührung ihres Kindes mit einem digitalen Medium nennen. Das Mittelwert des Alters der Kinder im Umgang mit einem digitalen Medium lag bei 2,2 Jahren. Dabei sind die Medienformen „TV und Handy“ als häufigste Einstiegsmedien angegeben. Mehrheitlich wird als Zweck des Erstkontakts Musik und Unterhaltung angegeben. Lediglich vier befragte Personen geben an ihr Kind vor dem 3. Lebensjahr alleine mit einem Medium gelassen zu haben. Kinder auf die „Welt der digitalen Medien“ vorzubereiten, hielten so gut wie alle Probanden nicht für nötig. Zusammenfassend bewerten die Eltern ihren Einfluss auf den Medienkonsum ihres Kindes als stark und sehen sich mit einer täglichen Bildschirmzeit von 2-3 Stunden im Durchschnitt als Vorbilder. Fast alle mit einer Bildschirmzeit über vier Stunden geben an, dass ihre Arbeit eine hohe Bildschirmzeit voraussetzt. Die tägliche Bildschirmzeit der Kinder ist relativ begrenzt. Von Alter zu Alter variieren diese, wobei keines der Kinder auf eine tägliche Bildschirmzeit von über 4 Stunden kommt. Die nennenswertesten und am häufigst genutzten Medienformen von Kindern sind Fernsehen und Handy. Um einen überdurchschnittlichen Medienkonsum zu verhindern, geben die Probanden an, dass sie ihren Kindern Zeitfenster vorgeben, die einzuhalten sind. Bei Nicht-Einhaltung werden Kindern die Medien entzogen oder Verbote erlassen. Mehr als 80% der Probanden geben an, dass sie über digitale Medien aufklären, oder dies vorhaben, wenn das Kind alt genug ist, um auch alleine mit Medien umzugehen. Gefahren des Internets stehen hierbei im Mittelpunkt der Aufklärungsarbeit. Der prozentuale Anteil von befragten Akademikern im Rahmen der Studie ist relativ hoch. Dadurch hat man wenig Einblick in andere Bildungsschichten. Zumindest lässt sich über die Akademiker einheitlich sagen, dass diese ein Bewusstsein für digitale Medien als wichtige Medienformen haben. Das lässt sich daraus ableiten, dass in allen Familien digitale Medien in frühsten Jahren im Leben ihrer Kinder auftreten und diese in unterschiedliche Medienwelten eingeführt werden. Tendenziell scheinen viele, vor allem aber jüngere Eltern, ihre Kinder mit dem Smartphone heranzuführen. Man kann davon ausgehen, dass viele der künftigen Elterngenerationen immer mehr auf Smartphones und Tablets vertrauen werden, da es viele kinderspezifische Lernangebote gibt. Für viele der jetzigen Elterngenerationen sind die meisten digitalen Lehr- und Lernmethoden absolutes Neuland. Jedoch bestätigen die aus dem Fragebogen entnommenen Nutzungsdaten auch die Entwicklungen im Bereich der Pädagogik dahingehend, dass Kinder zunehmend durch digitale Medien lernen. Das Bewusstsein für die Relevanz einer Medienerziehung, aufgrund der Allgegenwärtigkeit digitaler Medien, ist in unserer Gesellschaft bei Eltern definitiv vorhanden. Eltern wissen zudem, dass eine schrittweise und bewusste Heranführung vonnöten ist, damit Kinder eine Medienkompetenz entwickeln und mit Medien verantwortungsbewusst umgehen.

Digitale Medien: Feinmotorik und soziale Ungleichheit

Der Umgang mit digitalen Medien ist als Kompetenz aus der Schul- und Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Das Center dieser Welt bildet die Arbeit am PC, doch auch das Smartphone ist inzwischen kein einziges Unterhaltungsmedium mehr. Nicht nur durch regelmäßige Berufstelefonate, sondern auch durch das Ausrichten und Beantworten von E-Mails bzw. anderer beruflich angelegter Messenger-Systeme ist es keine Seltenheit mehr, dass Berufstätige zwei Smartphones besitzen; eines für beruflichen und eines für privaten Gebrauch. Aus diesem Grund ist es unserer Meinung nach sinnvoll zu erforschen, welche kognitiven Fähigkeiten nötig sind, um den Umgang mit PC und Smartphone zu ermöglichen beziehungsweise zu vereinfachen. Im Rahmen unserer Forschungsarbeit wollen wir uns dabei ausschließlich mit den rein feinmotorischen Fähigkeiten auseinandersetzen, genau genommen den Tippfähigkeiten. Diese sind für die Bedienung besagter Medien essenziell und werden oft schon in einem jungen Alter erlernt.

In einer groß angelegten Studie der ETH Zürich hat sich angedeutet, dass Jugendliche an der herkömmlichen Tastatur langsamer und am Smartphone schneller werden. Unsere essenziellen Beobachtungen sprechen diesem Ergebnis zu: Während in der besagten Studie von 2019 die Teilnehmer*innen noch durchschnittlich schneller am PC/Laptop waren, sind bei uns alle vier Teilnehmer*innen tendenziell schneller am Smartphone. Mit unserer qualitativen Studie haben wir außerdem probiert Verbindungen zwischen den Tippgeschwindigkeiten  und den Einkommensschichten, sowie den Hobbies unserer vier Teilnehmer*innen herzustellen.

Während die Analyse von Teilnehmer*in Zwei, Drei und Vier andeutet, dass es einen Zusammenhang zwischen der finanziellen Schicht der Eltern und der Menge der Mediennutzung gibt, widerspricht Teilnehmer*in Eins unseren Annahmen und wirft dabei neue Fragen auf. Obwohl er/sie als letztes Zugang zu besagten Medien hatte, hatte er/sie die schnellsten Zeiten. Gibt es daher auch andere Faktoren, wie z. B. vergleichbare feinmotorische Fähigkeiten, wie das von Teilnehmer*in Eins angegebene Spielen einer Gitarre, dessen Auswirkungen auf die Tippgeschwindigkeiten es zu erforschen gilt?

Hauptbeobachtung war jedoch, dass die Tippgeschwindigkeiten mit der Zeit zu korrelieren scheint, die Jugendliche täglich an dem PC oder Smartphone verbringen.

Josie Haak und Jonathan Pietsch